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Peregrina 4


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Ultima Thule – Mittelalterliche Musik aus dem Hohen Norden

Olaus Magnus – Carta Marina (1537)

Der von Vergil in seinen Georgica geprägte Ausdruck „Ultima Thule“ (äusserste Insel) wurde im Mittelalter zum Synonym eines mythischen Landes im Norden, am äussersten Rand der bekannten Welt. Aus dem Norden mittelalterlichen Europas stammen auch die Werke des heutigen Programms.

Einblick in den Marienkult auf den Britischen Inseln vermitteln zwei der Jungfrau gewidmete, lateinische Werke des 12. Jahrhunderts – der zweistimmige Versus Flos floriger und das Lied Virgo mater – sowie diverse Werke in mittelenglischer Sprache, darunter ein wunderschönes Wiegenlied für Weihnachten in Form eines intimen Zwiegesprächs zwischen Maria und ihrem neugeborenen Kind (Lullay lullay). Ebenfalls marianische Thematik haben die beiden gemeinsam überlieferten Lieder Sainte Marie virgine/Crist and Sainte Marie des Godrich von Finchale (12 Jh.), eines angelsächsischen Eremiten und Pilgers.

Es werden auch die skandinavischen Heiligen besungen, wie etwa, im Hymnus Nobilis humilis, der einzige Heiligen der Orkneys, den Hl. Magnus oder der Norwegerkönig, Hl. Olav (10. Jh.) in der Sequenz Lux illuxit und in dem Hymnus Adest dies leticie vom Anfang des 15. Jahrhunderts. Die Sequenz In superna ierarchia besingt dagegen Thorlák (12. Jh.), den einzigen Heiligen und Schutzpatron Islands. Es ist nicht auszuschliessen dass auch das älteste englische Liebeslied, Bryd one breere, sich auf die Person von der Heilige Birgitta (Bride, Brighid), eine weitere, äusserst populäre skandinavische Heilige, bezieht. Das traditionelle, isländische Lied Ísland, farsælda frón, das in der unschätzbar wertvollen Sammlung des Bjarni Thorsteinsson überliefert ist, besingt die herben Schönheiten dieses Landes. Zusammen mit Ave regina celorum und O Jesu dulcissime aus der gleichen Sammlung gehört es zu den sogenannten tvisöngur, einer Form von Mehrstimmigkeit in parallelen Intervallen von archaischem Charakter.

Aus Island stammt auch ein ganz besonderes Programmpunkt des heutigen Abends - Gudrunlied (Guðrúnarkviða in fyrsta) in altnordischer Sprache. Es ist Teil eines Zyklus über das Geschlecht der Wälsungen, das auch aus dem späteren, auf dem Kontinent entstandenen Nibelungenlied bekannt ist. Das Gudrunlied stammt aus der Lieder-Edda, die auch Ältere Edda genannt wird und schildert Gudruns unermesslichen Schmerz nach dem Tod ihres Mannes Sigurd. Nibelungen, Valkyrien, Blutpakt, Rache und Fluch bilden ein heidnischen pendant zu den nordischen Glaubenswelten des heutigen Programms. Ich hoffe, dass dieser eindrückliche Gesang, wie auch die übrigen Werke des heutigen Konzertes, Ihnen, liebes Publikum, die Vielgestaltigkeit und Schönheit dieses kaum bekannten Repertoires aus dem Hohen Norden erschliessen werden.

Agnieszka Budzinska–Bennett

Besetzung: 1-2 Sängerinnen, Harfe, Sinfonia

Aufführungsorte: Eine kleine Kirche oder ein kleiner Saal. Das Programm wurde erstmals 2007 in Snorrastofa in Reykholt, Island aufgeführt, sowie in Polen (Poznan 2008), Deutschland (Laufenburg 2008) und der Schweiz (Abendmusiken, Biel 2010).

Ungefähre Dauer: 60 Minuten